Der Arbeitskreis Wirtschaftsethik der FDP Karlsruhe traf sich zu einem Austausch über Ethikleitlinien mit der Firma Ritter–Sport

QUADRATISCH. PRAKTISCH. GUT.

 

 

Welchen Stellenwert haben Ethikleitlinien oder Leitbilder im Alltag eines Unternehmens und wie lassen sich diese in die Unternehmenspraxis umsetzen? Wer erstellt ein Leitbild und entscheidet damit über die in einem Unternehmen gültigen Werte?

Diese und andere Fragen diskutierten am 30. Oktober 2018 Frank Mummert (Leitung Personal) und Thomas Seeger (Leitung Recht und Unternehmenskommunikation) als Vertreter der Firma Alfred Ritter GmbH & Co. KG mit Heide Lechner, Gertrud Stihler, Hubert Lechner, Dr. Wolfgang Zwirner und Thomas Nattrodt vom Arbeitskreis Wirtschaftsethik des FDP Kreisverbandes Karlsruhe-Stadt.

Der seit 2013 bestehende FDP Arbeitskreis Wirtschaftsethik will die politische Diskussion über ethisches Handeln in Wirtschaft und Gesellschaft zu einer Zeit anregen, in der Wirtschaftsskandale zunehmend das Tagesgeschehen bestimmen. Ein wirksames Instrument zu ethisch korrektem Wirtschaftshandeln sieht der Arbeitskreis darin, Unternehmen zu motivieren und zu unterstützen, Ethikleitlinien als eine Art Unternehmensverfassung aufzustellen, auf deren Grundlage sich die Wirtschaftstätigkeit vollziehen soll.

Die Schokoladenfabrik Alfred Ritter GmbH & Co. KG in Waldenbuch kann seit längerer Zeit mit einem Leitbild aufwarten, in denen Werte festgeschrieben sind und aus denen sich ein danach ausgerichtetes Handeln ableiten lässt.

Einige Aussagen des Leitbildes sollen hier exemplarisch aufgeführt werden:

„Wir erreichen unsere Ziele gemeinsam. Wir beziehen unsere Stärke aus der konstruktiven respektvollen Zusammenarbeit von Gesellschaftern, Beirat, Geschäftsleitung und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Unser Handeln ist geprägt von Achtung und Wertschätzung gegenüber Mensch und Umwelt.“

„Wir streben ein partnerschaftliches und langfristiges Verhältnis zu unseren Geschäftspartnern an, das von Fairness, Vertrauen und Verlässlichkeit geprägt ist.“

„Ungeachtet der betrieblichen Hierarchie sind alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für uns gleichwertige Menschen, deren Engagement und deren Fähigkeiten wir fordern und fördern.“

Diese Beispiele mögen genügen, um den hohen moralischen Anspruch dieses Leitbildes zu belegen. Das vollständige Leitbild kann unter https://www.ritter-sport.de/export/sites/default/de/familienunternehmen/Leitbild_DE.pdf eingesehen werden.

Den FDP Arbeitskreis Wirtschaftsethik interessierte besonders, wie dieses Leitbild erarbeitet wurde, wie es im Unternehmen gelebt wird und ob damit zusätzliche Kosten verbunden sind.

Die Herren Seeger und Mummert führten hierzu aus, dass das Thema Ethik und Nachhaltigkeit bei Ritter schon seit Jahren einen hohen Stellenwert aufweise und damit wesentlicher Bestandteil der Firmenkultur sei. Eine schriftliche Kodifizierung sei bislang deshalb nicht notwendig gewesen, weil diese Firmenkultur von allen Beteiligten gelebt und verinnerlicht worden sei. Erst im Jahre 2013 wurde diese Praxis in eine strukturierte Schriftform gegossen. Der Anstoß zur Implementierung des Leitbildes sei von der Familie Ritter selbst gekommen, also „von oben“. Damit wollte man der Lebensweisheit, der zufolge „der Fisch vom Kopf her stinke“ von vornherein entgegenwirken. Folgerichtig könne ein Leitbild nur durch beispielgebendes Verhalten seitens der Unternehmensführung umgesetzt werden. Nur dadurch entfalte sich die durch das Leitbild intendierte Vorbildfunktion. Die logische Schlussfolgerung wäre, dass Unternehmen mit vorbildlichen Leitbildern beispielgebend für andere Firmen wären, ebenfalls derartige Grundsätze zu entwickeln und danach zu handeln.

Es könnte der Einwand erhoben werden, das Leitbild spiegele die subjektiven und damit relativen Werte seiner Urheber wider. Ein Leitbild als interne Firmenverfassung zur Begründung einer ethischen Verbindlichkeit ist jedoch auf objektiv und absolut gültige Werte angewiesen. Hierzu ist anzumerken, dass die im Leitbild getroffenen Aussagen darauf hin überprüft werden müssen, ob ihr Geltungsanspruch als universell gültige Grundsätze gerechtfertigt ist. Die oben zitierten Aussagen enthalten Begriffe wie „respektvolle Zusammenarbeit, Achtung und Wertschätzung gegenüber Mensch und Umwelt, Fairness, Vertrauen, Verlässlichkeit, Gleichwertigkeit aller Menschen etc.“. Die Objektivität und damit die Allgemeingültigkeit ergibt sich aus der Konsistenz der den Leitbildaussagen zugrundeliegenden Handlungsmaximen.

Auf den Wert der „Achtung und Wertschätzung gegenüber Mensch und Umwelt“ sei auch der partizipative Führungsstil zurückzuführen, der das partiell traditionelle „hier Feldwebel dort untergebener und damit Gehorsam schuldender Mitarbeiter“ überwinde, wie Mummert und Seeger ausführten.

Auf die Frage, wie ein kontinuierliches Handeln nach diesem Leitbild dauerhaft gewährleistet werde, erklärten Mummert und Seeger, das sich zwei Mal im Jahr die Führungskräfte träfen, um Abweichungen von dem Leitbild in der täglichen Praxis festzustellen und über Maßnahmen zu beraten, wie das Handeln wieder „in die Spur der Leitbildgrundsätze“ gebracht werden könne.

Für den Arbeitskreis Wirtschaftsethik von besonderem Interesse war die Frage nach der Kostenbelastung, die das Handeln nach einem Ethikleitbild verursacht. Zuweilen muss sich der Arbeitskreis mit der nicht nur in der FDP vertretenen skeptischen Auffassung auseinandersetzen, wirtschaftsethisch motiviertes ökonomisches Handeln stelle eine zusätzliche Belastung für die Unternehmen dar.

Dazu sagten Mummert und Seeger, dass sich das Leitbild bisher stets positiv auf der Kostenseite der Bilanz bemerkbar gemacht hätte, auch wenn eine kausale Verknüpfung zwischen Leitbild und Kosteneinsparung nicht immer eindeutig nachweisbar sei. Ein Handeln nach den Leitlinien hätte positiven Einfluss auf das Arbeitsklima und die Mitarbeitermotivation. Die Folge ist beispielsweise ein sehr niedriger Krankenstand. Dazu kann ergänzend angemerkt werden, dass kostentreibende Maßnahmen zur Wiederherstellung des Unternehmensrufs nach einem Firmenskandal schon deshalb nicht anfallen, weil das Vorgehen nach dem Leitbild ein rechtswidriges und unmoralisches Handeln von vornherein ausschließt.

Die Gesprächspartner von der Firma Ritter merkten an, dass der auch mit durch das Leitbild begründete sehr gute Firmenruf dazu beitrüge, dass Stellenbewerber die Firma Ritter als künftigen Arbeitgeber nicht vorrangig wegen der Höhe des Salärs, sondern wegen des Leitbildes in Betracht zögen. Sie sähen darin eine Möglichkeit ihre Persönlichkeit und ihre Fähigkeiten optimal zu entfalten.

Zur Nachhaltigkeit führten die Herren Mummert und Seeger aus, dass die Firma Ritter in Nicaragua über eine eigene Kakaoplantage verfüge. Diese werde von Kooperativen der Kakaobauern bewirtschaftet und decke ca. 10% des Kakaobedarfs ab. Weitere 35% des Bedarfs stammten von Plantagen aus Nicaragua und Peru. Der Rest verteile sich auf Plantagen in der Elfenbeinküste und Nigeria. Der Kakao werde aus diesen Ländern direkt bezogen. Der Verzicht auf Zwischenhändler käme den Kooperativen dadurch direkt zugute. Die Firma Ritter achte besonders darauf, dass die Erzeuger des Kakaos davon auskömmlich leben könnten. Ein weiterer Beleg dafür, auf welche Weise die Wertschätzung gegenüber Mensch und Umwelt und der Grundsatz der Gleichwertigkeit aller Menschen bei Ritter normativ umgesetzt wird. Vorbildlicher lässt sich Entwicklungspolitik auf Unternehmensebene nicht betreiben.

Der Arbeitskreis Wirtschaftsethik des FDP Kreisverbandes Karlsruhe bedankt sich an dieser Stelle sehr herzlich für den zweieinhalbstündigen sehr informativen Gedankenaustausch, der in entspannt lockerer Atmosphäre stattfand, bei den Vertretern der Firma Ritter, Herrn Mummert und Herrn Seeger, sowie bei Frau Kulik, die organisatorisch das Zustandekommen des Termins ermöglicht hat.

Das Synonym für Ethik ist in der Philosophie der Tradition Kants folgend der Begriff der praktischen Vernunft. Demzufolge müsste der Slogan von Ritter-Sport im Hinblick auf Art und Weise der Geschäftstätigkeit ergänzt werden:

QUADRATISCH. PRAKTISCHE VERNUNFT. GUT.

 

 

 

 

 

von rechts nach links:

Hubert Lechner, Heide Lechner, Gertrud Stihler, Dr. Wolfgang Zwirner (alle FDP)

Frank Mummert, Thomas Seeger (beide Firma Ritter)

Thomas Nattrodt (FDP)

 

 

 

 

 

Herr Mummert freut sich über die Modellpyramide, dem Wahrzeichen der Stadt Karlsruhe, aus der Majolika Manufaktur, die sicher einen Platz in der Firmenvitrine einnehmen wird

 

 

 

 

 

Hier findet der Werkverkauf statt

 

 

 

 

 

Im Schokoladenmuseum werden die Stationen der Firmen- und Produktgeschichte, sowie der Produktionsprozess veranschaulicht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text: Thomas Nattrodt   Arbeitskreis Wirtschaftsethik FDP KV Karlsruhe- Stadt

Fotos: Hubert Lechner und Thomas Nattrodt

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